Welche eine Sache unbedingt dabei sein sollte


Was für ein Unterschied! Nur über etwas nachzudenken, Bilder davon anzuschauen, oder: es live zu sehen und zu erleben.

Das ist der Gedanke, der zwei junge Menschen dazu bringt, eine Weltreise zu machen.

Gwen und Patrick reisen 100.000 km ohne zu fliegen.

Dreieinhalb Jahre später sind sie wieder zuhause.

Und haben die Welt gesehen. Vor allem aber haben sie Menschen in unterschiedlichen Kulturen getroffen, sind mit ihnen gereist, haben bei ihnen gewohnt. Sie haben alle zusammen gegessen und gefeiert. Und dann diese unfassbare Schönheit der Landschaften! Auch wenn das Leben an manchen Stellen der Welt hart ist, die Menschen strahlen.

Kurz vor Freiburg, inzwischen zu dritt, weil ihr Sohn unterwegs geboren wurde, zieht Patrick Bilanz: Für ihn bleibt am Ende die Erfahrung, dass es sich lohnt zu vertrauen.“

Reise durch meine Welt

Und anderen beim Reisen zuschauen? Wieso nicht?  Oder selbst reisen. Was also ist die Welt, die sich zu erkunden lohnt? Deine Welt?

Meine Welt drehte sich bis zu den Sommerferien vor allem um Arbeit. Ohne es zu merken, wurde mein Horizont enger. Bis ich alles durch dieselbe Brille sah. Meine Brille mit meinem Fokus auf die Dinge, die sind, wie sie sind. Die Welt ist, wie ich sie sehe. Also eine Ansichts-sache. Wo war das Abenteuer geblieben? Lust am Überraschenden, was man nicht planen kann?

Die einen erleben Abenteuer, auch das Abenteuer zu vertrauen. Die anderen haben Google Earth oder Streetview. Großartige Bilder, immer aus der Sicht des Satelliten oder des Kamerawagens von Google, der gerade deinen Stadtteil filmt.

Aus sicherer Perspektive.

Reisen und dabei Entdeckungen machen! Das wäre es. Das Gegenteil von Vertrauen ist nicht Misstrauen, sondern Kontrolle. Der Aufbruch findet nicht statt, das Abenteuer fällt aus.

Von den Emotionen…

Markus (vgl. Mk 4,35-41) erzählt, wie Jesus mit seinen Jüngern im Boot unterwegs ist; Jesus schläft ein, die Jünger rudern.

Bis dieser Wind aufkommt. Es schaukelt ordentlich. Der See wird unruhig. Die Wellen werden höher.

Welche Definition von Sturm jetzt meteorologisch gilt, weiß gerade nicht. Wie jedoch Sturm von Menschen erlebt wird, sehr wohl!

Inzwischen rudern sie mit ganzer Kraft, um ans andere Ufer zu kommen. Das rettende Ufer. Wasser schwappt ins Boot. Die Lage wir mehr und mehr ungemütlich, ja bedrohlich.

Wind und Wellen stehen dem eigenen Leben entgegen.

Was ist Deine Welt und wie ist sie gerade? You name it! Klar, ich kann schöpfen, ich kann stärker rudern, ich tue mich mit anderen zusammen, die schöpfen und rudern. Wie jedoch entkomme ich dem Sturm?

Mal sind es Entscheidungen anderer, die Auswirkungen haben. Mal meine eigenen. Alles wird noch einmal hervorgeholt. Nur, davon hört der Sturm nicht auf. Wind und Wellen standen ihnen entgegen. Da wird auch die Zukunft fragwürdig.

Dem eigenen Drama der Emotionen und dem inneren Durcheinander gehen langsam die Möglichkeiten aus. Und die Kräfte.

Und Jesus schläft.

…zur Stille

„Emotion“ kommt von lateinisch emovere, sich wegbewegen. Man ist außer sich.

Langsam schaukelt es sich hoch. Und dann läuft dein Boot voll.

Sturm und Wellen als Metaphern für das emotionale Auf und Ab in der Zeit: Wer hat damit keine Erfahrungen?! Das Boot, ein Bild für das eigene Leben. Untergang im Zeitlichen droht.

In diesem Sommer verbrachte ich eine Woche im Kloster. Einfach bei sich sein und nicht überall anderswo. Innen immer noch das große Bootsschaukeln.

Und ich werde begleitet, sodass ich lerne zu schauen: Welche Welt besuche ich denn gerade? Was für ein Sturm ist aufgezogen?  Wegschauen ist auch keine Lösung.

Ich weiß nicht mehr genau, wann die Ruhe kam: War es, als ich die Tradition des Herzensgebets (wieder) praktiziert habe. Also entlang des eigenen Atems Gott um Erbarmen bitten? (wie z.B. der blinde Bartimäus)

Oder war es, weil ich mir vieles von der Seele schrieb? Oder als meine geistliche Begleitung irgendwann sagte:

„Die Zukunft ist völlig bedeutungslos. Es geht nur um fünf Tage Gegenwart.“

Das hat gesessen.

Neue Reiseerfahrungen passieren in der Gegenwart. So kam es dann auch: Ruhe stellte sich ein. In der Welt um mich herum ist auch so viel Schönheit, Gastfreundschaft, Herzlichkeit.

Entweder also alte Verletzungen spüren oder versuchen, die Zukunft irgendwie hinzukriegen. Nur die Gegenwart fällt aus. Doch da geschieht das Leben!

Oder: Das Abenteuer passiert, indem ich mich genau um die Gegenwart kümmere. Ich „warte“ die Gegenwart. Wie ein Platzwart sich darum kümmert, dass der Platz bespielbar ist. So ist dieses „warten“ gemeint.

Und Jesus wird geweckt, macht dem Auf und Ab eine Ansage, Stille tritt ein.

Ziemlich krass. Es gibt die Ruhe nach dem Sturm.

Die Reise über das galiläische Meer endet mit einem Fazit: Warum seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch kein Vertrauen?

Jesus ist im Boot, die Vertrauenswürdigkeit in Person. Und er lehrt Gelassenheit, sogar im Schlaf.

Dein Film

Na also: Jetzt kann es weiter gehen. Und langsam kommt auch wieder Lust auf den weiteren Weg auf. Muss ich noch gar nicht kennen. Wird schon. Darum heißt diese Zeitform Zukunft – das, was auf mich zukommt.

Für heute lerne ich, mich um die Gegenwart zu kümmern. Ich übe Stille und vertrauen – der Lehrer ist an Bord – und komme wieder in die Spur meines Lebens.

Falls dann eine Fernreise kommt: Das Vertrauen in den Schöpfer und Erhalter, den Ewigen, die Liebe in Person, lässt mich auch anderen Menschen vertrauen. Und zu vertrauen lohnt.

Davon erzählt dieser Film. Oder einmal Deiner, wenn deine Reise durchs Leben verfilmt wird?

Wer weiß.

Und dann noch…

„Weit“ war 2017 im Kino der erfolgreichste Dokumentarfilm im deutschen Raum; aktuell noch in der Mediathek von 3SAT zu finden. Absolut sehenswert!

Vergangenheit – Gegenwart - Zukunft sind Zeitformen, die bei jedem eine große Rolle spielen. Mehr dazu gibt es z.B. bei systemischer Aufstellungsarbeit am Samstag, 26.9.26 zu entdecken. Herzliche Einladung! Mehr dazu auch hier in einem Interview.

Foto: unsplash